Der „ungewöhnliche” Tod

Die bislang geschilderten Rituale umfaßten ausschließlich den „normalen”, nicht jedoch den „ungewöhnlichen“ Tod und das Sterben der Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten. Kinder die nicht getauft waren begrub man jenseits der Friedhofsmauern, sie hatten den Makel der Erbsünde und infolge des Fehlens der Taufe waren sie keine Mitglieder der Kirche. Sie gehörten dem Glauben zufolge zu jenen Wesen, die entweder in ein Schattenreich ohne Freude und Leid kamen oder aber im Grab keine Ruhe fanden. In erster Linie galt das für Randgruppen und Außenseiter wie z. B. Selbstmörder und Hingerichtete da sie oft verbrannt wurden und man ihre Asche in aller Winde verstreute..

In ganz konkreter Weise wird irdisches Scheitern, das den Tod nach sich zieht, in Rahmen von Hinrichtungen offensichtlich. Die Hinrichtungen waren wie ein öffentliches Schauspiel, eigentlich sollten sie eine Warnung sein, hatten aber Volksfestcharakter. Die Mahnung bestand darin das die Hingerichteten, durch Hängen, Rädern oder ähnliches an der Richtstätte einfach Belassen wurden.

Das Übergehen in den Verwesungszustand berührte damit nicht nur den Sehsinn sondern auch den Geruchssinn. War dann wieder mal ein festlicher Anlaß mußte die Richtstätte von den Leichen oder deren Teile gesäubert werden.

Allerdings muß betont werden, daß Hinrichtungen auf den sündhaften Tod keinesfalls als Alltäglichkeiten gewertet werden können.

Aus dem spätmittelalterlichen Berlin ist zum Beispiel überliefert, daß innerhalb von 57 Jahren ( zwischen 1391-1448 )  114 Personen hingerichtet wurden: 46  erhängt, 22 enthauptet, 20 lebendig verbrannt, 17 gerädert und 9 lebendig begraben.

Von besonderer Bedeutung zur Veranschaulichung des Todes dienten die „Totentänze“ (Makabertänze) die im 15. Jh. im gesamten europäischen Raum auftraten.