Kurz über Nachzehrer ---------

Eine ihm eigene Form des Nachlebens besaß der Tote: Bei einer zu Lebzeiten ungebüßten begangenen Frevlertat fand der Verstorbene keine Ruhe in seinem Grab und erschien als „Wiedergänger“ (Nachzehrer). Berichte vom Totenheer und von wiederkehrenden Toten, die auf dem Friedhof tanzen oder an einer Messe teilnehmen, findet man oft in der mittelalterlichen Exempelliteratur. Ein Beispiel der verstorbene Ritter erhebt sich bei der Aufbahrung in der Kapelle, die er für seine Großmutter errichtet hatte, während der Elevation der Hostie, um eine Todsünde zu beichten. Ein bekannter Brauch im Mittelalter war, dem Toten eine Münze in die Hand, den Mund, und hier insbesondere unter die Zunge zu legen, und Augen und Mund sorgfältig zu schließen, um sein „Wiederkehren“ zu verhindern.

Wahrscheinlich entstand der Nachzehrerglaube durch die großen Pestepidemien. Eine extreme Form des Schutzes bot die Zerstückelung, Exhumierung oder Pfählung des Leichnahms; mittelalterliche gepfählte Moorleiche, den „Bocksten-Mann“, bewahrt heute das Museum von Varberg ( Schweden ) auf.

Auf die Antike zurückgehend ist Vorstellungen der mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Nekromantie, der Weissagung durch die Toten. Man war überzeugt, dass der Kontakt der Lebenden mit den Toten mittels Beschwörung, der verbotenen Wahrsagung, zur der Erlangung verborgenen Wissens durch den Toten diene. So nennt „Thomas von Aquin“ ausdrücklich die Nekromantie, die verboten und die allerböst  magische Kunst und zu der er auch die Praxis zählt, einen Totenschädel durch Räucherungen und Zauberformeln zum sprechen zu bringen.

Die Anatomie zur wissenschaftlichen Anschauung war im Mittelalter verboten, das trug auch zum Glauben vom Toten als einen Wiederkehrenden bei. Jedoch verwendete man Leichenteile um daraus magische Medizin zu machen, so wurde dem abgschnittenen „Diebesdaumen“ besondere Wirkung angedichtet. Leichenfett von Kindern soll angeblich in der „Hexensalbe“ gewesen sein, wahrscheinlich wusste die Unterschicht nichts über diese sogennanten Zaubermittel es könnte auch nur Diskursmaterie der Gelehrten gewesen sein, man weiß es nicht….

 

  • Thomas Schürmann: Nachzehrerglaube in Mitteleuropa. Verlag Braun- Elwert GmbH und Co KG
  • Jean-Claude Schmitt: Die Wiederkehr der Toten. Geistergeschichten im Mittelalter. Klett- Cotta