Der Hinduismus

Der Hinduismus, die Religion der Inder, ist im 1. Jahrtausend vor Christus aus dem Brahmanismus entstanden, einer Weltanschauung, die die Brahmanen als privilegierte Kaste anerkennt und durch ein Kastensystem gekennzeichnet ist. Zum Hinduismus bekennen sich rund 429 Millionen (Stand 1966).
Die Erlösung kommt durch Selbsterkenntnis. Nur wer sich als Teil eines größeren Ganzen (Brahman) erkennt, wird erlöst. Nur wer sich wie ein Wassertropfen selbstlos ins Meer der Gottheit verliert, gewinnt sein selbst.

Der Tod im Hinduismus:

Der Tod ist das bedeutsamste Ereignis im Leben des Hindu; nicht nur, weil er den Menschen auf sein Schicksal im nächsten Leben festlegt, vor allem weil er ein Mittel ist, aus der langen Kette der Wiederverkörperungen und Wiedergeburten befreit zu werden.

banaras

Wenn ein Hindu merkt das er bald sterben muss, wird - wenn es irgend möglich ist- zur Stadt „Benares“(Varanasi) reisen. Benares wird von den Indern als Paradies gesehen. Beim Bad im Ganges werden die Sünden abgewaschen. Wenn man in Benares stirbt oder verbrannt wird, wird der Kreislauf der Wiedergeburt durchbrochen und man kommt gleich ins Paradies.

Auf uns Abendländer wirkt die Stadt des Todes, in der unzählige Greise und Kranke lagern und in der ständig Leichen verbrannt werden, eher abstoßend. Anders der Hindu, der im Tod den Höhepunkt seines Lebens sieht. Der Tod birgt die Chance, mit Brahman eins zu werden und so als Teil ins Ganze zurückzukehren. Erst der Tod macht das Leben sinnvoll- ganz im Unterschied zum europäischen Denken, wo er das Sinnlose schlechthin ist. Der Hindu sieht im Tod ein Fest- wiederum ganz im Gegensatz zur abendländischen Melancholisierung des Todes.

Wenn ein gewöhnlicher Hindu gestorben ist, wird er von seinem Sohn auf die Leichenstätte gebracht und dort- mit dem Gesicht nach Norden- hingelegt. Nachdem der Boden gereinigt und mit Kuhdung bestrichen wurde, wird auf ihm ein Altar errichtet, den man mit Wasser besprengt. Dann wird der Tote als Opfer dargebracht und verbrannt. Früher hat man nachdem der Leichnam halb oder ganz verbrannt war, den Schädel gespalten damit die Seele die Väterwelten erreichte. Danach spendete der Sohn drei Tage lang nach Sonnenuntergang Milch und Wasser.

Benares

Heute ist das letzte Ritual ein Wasserkrug der über die Schulter ins Feuer geworfen wird, damit die Seele entweichen kann.

Ca 20.000 Leichen werden im Jahr in Varanasi verbrannt, das bedeutet auch über 1t  Holz, das teilweise selbst mitgebracht wird. 650 Menschen verbrennen in Schichten 24 Std. Leichen. Die heilige Flamme, zum entfachen des Feuers, darf nie verlöschen darum wird sie rund um die Uhr bewacht, von einem Familienclan, der diese Aufgabe über Generationen weiter gibt. Nur mit dieser Flamme darf der Scheiterhaufen entzündet werden.
Obriges gibt die Sicht der Upanishaden, einer der wichtigsten Schriften des Hinduismus wieder, es gibt noch andere Traditionen des Hinduismus auf die ich hier nicht eingehen kann.

  • Literaur: Horst Georg Pöhlmann, Die Sehnsucht, sich selbst zu überleben, Der Tod in den Religionen: In, Tod und Sterben, Deutungsversuche, Gütersloh 1978

Das Judentum

Dem Judentum gehören ca. 14 Millionen Gläubige an (1971) das Schma (Höre) ist das Zentralbekenntnis der jüdischen Religion. Die jüdische Religion steht und fällt mit dem  Gehorsam gegenüber Gottes Geboten.

jude

Der Sterbende soll nach jüdischer Lehre, sein Leben noch einmal überprüfen und versuchen Ungutes wieder gutzumachen. Danach soll er das Sündenbekenntnis (Widduj) sprechen. „Ich danke dir, dass du mich ins Leben gerufen hast…. Nun kommt der Augenblick, da ich die Seele, die du mir gegeben hast, dir wiedergeben soll. Nimm du sie selbst von mir, wie mit Küssen deines Mundes, dass nicht der Todesengel mich quäle. Birg mich im Schatten deiner Flügel. Mag… mein Leiden und Todeskampf mir Entschuldigung bringen von allem Schlechten.“ Noch einmal segnet er seine Kinder, indem er auf ihren Kopf die Hände legt. Der Sterbende wird mit Gebeten begleitet, unter denen das siebenmal gesprochene Schma nicht fehlen soll. Nachdem der Tod eingetreten ist, schließt man dem Verstorbenen die Augen. Bindet ein Tuch um Kinn und Schläfen über dem Kopf zusammen, damit der Mund geschlossen bleibt. Zum Zeichen der Trauer, zerreißen die Umstehenden etwas an ihrer Kleidung, dies ist nicht nur ein Symbol für die innere Zerrissenheit sondern auch ein Mittel sich abzureagieren. Der Leichnam wird auf die Erde gelegt und mit einem schwarzen Tuch zugedeckt, ein Licht wird angezündet. Später wird er gewaschen und bekommt ein Sterbekleid angezogen.

Wie bei den Sterbekleidern soll auch bei den Särgen kein Unterschied gemacht werden, das heißt sie sollen schmucklos bleiben. Darin kommt zum Ausdruck, dass der Tod ein Gleichmacher ist. Wenn der Sarg ins Grab gesenkt ist, wirft jeder drei Schaufeln Erde auf ihn. Eine Sitte die man auch aus dem Christentum kennt. Mit der Beerdigung beginnt die Trauerzeit, deren erste Phase die „Schiwa“(Sieben), die erste Woche, ist, in der sie „Schiwa sitzen“. Man sitzt auf der Erde oder auf niedrigen, harten Schemeln und bleibt in dieser 1. Woche zu Hause. Man arbeitet in dieser Zeit nicht und lässt auch seine Angestellten nicht für sich arbeiten und liest die Hl. Schrift (Hiob). Wenn Menschen kommen, bleibt man sitzen und grüßt sie nicht. Auf die Schiwa folgt die Scheloschim (30 Tage), die zweite Phase der Trauer (die aber vom Todestag an gerechnet wird). Auch in dieser Zeit macht man kein Fest mit und man vermeidet es, Musik zu hören, so hält man sich das ganze erste Jahr von Vergnügungen fern. Zu Hause und in der Synagoge lässt man im Trauerjahr ein Licht brennen zur Erinnerung an den Verstorbenen.

Leo Hirsch: Jüdische Glaubenswelt 1962 S.73

Pöhlman Horst Georg: In Tod und Sterben, Gütersloh 1978

Der Islam

Der Islam, geht auf die Stiftung des arabischen Propheten Mohammed zurück (569-632 nach Chr.). Nach seiner Meinung stellt der islamische Glaube die echte, von Juden und Christen verfälschte, Religion „Abrahams“ dar. Dem Islam zählen sich rund 462 Millionen Gläubige zu (1974)

Die Moslems verstehen ihr Leben als Weg zum Paradies. Diese realistische Paradiesvorstellung hängt mit dem Glauben an die Auferstehung des Leibes zusammen, den der Islam mit dem Judentum und dem Christentum teilt.

Islam

Der verstorbene Moslem wird mit dem Gesicht nach Mekka bestattet. Bei der Beerdigung wird gebetet: „Im Namen Allahs. Gott gib, dass sich dieser Tote mit seinem Propheten vereinigt. Gott wenn er ein Wohltäter war, vermehre seine Wohltätigkeit, wenn er schlecht gehandelt hat, vergib ihm, hab Erbarmen mit ihm und lass ihm seine Sünden nach.“

Nach der Bestattung besuchen den Verstorbenen zwei Engel im Grab, die ihn über seinen Glauben und seine Werke befragen. Mit Ausnahme der Märtyrer und anderer, die unmittelbar nach dem Tod ins Paradies eintreten, warten die Toten in ihren Gräbern auf die Auferstehung und das Weltende. Sie erleben in ihren Gräbern den Vorgeschmack dessen, wofür sie im Jenseits bestimmt sind.

Quelle:

Horst Georg Pöhlmann: Der Tod in den Religionen: In Tod und Sterben Gütersloh 1978

Beerdigung nach muslimischen Ritus: Nach überlieferter Auffassung sollte ein Muslim mit dem Glaubensbekenntnis auf den Lippen sterben. Das Glaubensbekenntnis, eine der fünf Säulen des Islam, lautet: „Es gibt keinen Gott außer Gott, und Muhammad ist der Prophet Gottes“. Dem Sterbenden werden diese Worte vorgesagt oder ins Ohr gesprochen, denn er wird im Grab von den Engeln nach seinem Gott, seinem Propheten, seiner Religion und seiner Gebetsrichtung befragt werden. Beantwortet er diese Fragen richtig, mit Allah, Muhammad, Islam und Mekka, dann erfährt er Trost von den Engeln, die ihm das Paradies verheißen. Antwortet er aber falsch wird er schon im Grab gepeinigt.

Die Sure 36 (Ya-Sin) wird nach dem Eintritt des Todes von einem Anwesenden gelesen. Muhammad soll diese Sure das „Herz des Korans“ genannt haben und man glaubt er habe gesagt: “Kein Sterbender, über den Ya- Sin rezitiert wird, stirbt, ohne dass Gott ihm sein Los leicht gemacht hat.“

Dann werden  dem verstorbenen die Augen geschlossen und der Unterkiefer hochgebunden und der Kopf nach Mekka ausgerichtet. Der Tote wird entkleidet und das Bettzeug gewechselt. Nach streng muslimischer Regel sollte der Verstorbene noch am selben Tag beerdigt werden. Dann erfolgt die rituelle Waschung des Leichnams, der Leichnam wird dreimal vollkommen gewaschen.

Ein verstorbener Mann wird vom Imam, eine verstorbene Frau von einer älteren Gläubigen gewaschen. Danach wird die Leiche in weiße Tücher aus Baumwolle gehüllt. Dabei werden die Tücher mit Rosenwasser und anderen Duftessenzen besprengt. Der Leichnam wird jetzt in einen einfachen Holzsarg oder Totenlade gelegt, zugedeckt wird der Sarg oft mit einem grünen Tuch oder auch einem Gebetsteppich. In das Grab kommt der Tote nur mit den Leichentüchern (in Deutschland ist das nicht erlaubt).

Der Sarg eines Mannes wird durch die Männer zur Moschee und zum Friedhof getragen, dieser letzte Dienst wollen viele dem Toten erweisen, so wird sich meist unterwegs abgewechselt. Den Sarg einer Frau tragen die Blutsverwandten. Der Leichnam einer Frau wird direkt auf den Friedhof gebracht; der eines Mannes kommt erst in die Moschee wo für ihn das Totengebet (ölü namaz) gebetet wird.

Die Toten liegen so dass sie mit dem Gesicht zur Kaaba zugewandt liegen.

Die Angehörigen und Freunde schließen das Grab eigenhändig.

(Hier in Deutschland kann man auch heute noch nicht einen Muslime nach seinen Regeln bestatten. Friedhofsordnungen verlangen auch nach einer, bei Muslimen sonst nicht üblichen, Grabpflege.)

Nach der Grabschließung wird aus dem Koran rezitiert und es werden Bittgebete für den Verstorbenen gesprochen. Auf dem Friedhof besteht die Trauergemeinde nur noch aus Männern die jetzt am Grab knien. Der Hoca spricht am Kopfende des Grabes noch das letzte Gebet.

Quelle:
Max Matter aus: Der Tod. Zur Geschichte des Umgangs mit Sterben und Trauer. Ausstellungskatalog Darmstadt