Zeichen des nahen Todes

Über das Wann des Todes sollte Gott, über das Wie des Sterbens wollte der Mensch selbst entscheiden.
Wenn man den Tod in der Fremde spürte; versuchte der Reisende noch nach Hause zu kommen um in vertrauter Umgebung zu sterben oder man suchte sich die nächste Kirche, um dort ruhende Heilige als Führsprecher zu haben.
Wenn ein Wallfahrer den Tod spürte, betrachtete er dies nicht als Verhängnis. Er hatte ja den Heiligen für den er die lange Reise machte zur Seite, er würde ihn auf seiner letzten Reise begleiten und ihm Nahe sein.
Im Frühmittelalter sind Menschen nach Jerusalem gepilgert, mit dem Ziel, dort zu sterben. Weil sie hofften am Jüngsten Tag zu den Auserwählten Christi zu gehören.

Die Menschen im Mittelalter konnten Symptome des nahen Todes sehr wohl deuten. Man wusste wie Kranke sich von Sterbenden unterschieden, so wurde oft die Körpertemperatur geprüft, man achtete auf den Ausdruck der Augen, die Farbe der Haut, Druck und Schmerzempfindlichkeit.

Die Haltung des Mundes und der Puls wiesen meist auf das nahen des Todes hin.


Mütter wissen wenn Ihr Kind dem Tode nah ist.


Ein Spitalmeister wusste aus Erfahrung ob ein Kranker bald stirbt.

Spätestens jetzt ordnet der vom Tod Gezeichnete sein Haus und setzt ein Testament auf. Der Notar wurde gerufen, Freunde und Verwandte wurden gebeten, letztwillige Verfügungen zu bezeugen und sich vielleicht als Testamentsvollstrecker zur Verfügung zu stellen.

Weiter bestimmt der Sterbende was zu geschehen hat wenn er nicht mehr sprechen kann, oder das Bewusstsein verliert; welche Gebete gesprochen, wann das Sterbe- oder Totenhemd anzulegen ist; was nach dem Tod geschehen soll: Trauerkondukt, Leichenschmaus…

Sünden bekennen:

Der Sterbende bekannte seine Sünden in privater, in Klöstern oft in öffentlicher Beichte.

Die in mittelalterlichen Register aufgelisteten Verfehlungen konnten die Phantasie auch hartgesottener Sünder anregen: Ganz allgemein Neid, Hass, Geiz, Gier, Zorn; im besonderen Ehebruch, Unzucht mit Tieren, Meineid , Diebstahl, Raub, unreine Küsse und Umarmungen, Mord, aktive und passive Bestechung, Wucher, Unterschlagung von Almosen, Verachtung von Verwandten, Bedrückung der Armen, Missachtung der Barmherzigkeit einschließlich des Begräbnisses von Toten…insgesamt 39 Engbedruckte Zeilen.

Die Lossprechung erteilte ein Priester nach dem Bekenntnis mit den Worten: Ego te absolvo a peccatis tuis. In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti (Ich spreche dich los von deinen Sünden. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dieser Richterspruch wurde von den Dabeistehenden und dem Sterbenden bekräftig mit „Amen“(So sei es).

Die Absolution konnte auch Verstorbenen gewährt werden z.B. nach einer Schlacht.

Weil es sehr wenige Militärkaplane gab, konnte auf einem Feldzug nicht jeder Krieger einem Geistlichen seine Sünden beichten. Der ranghöchste Priester sprach eine Generalabsolution aus; oder man bekannte einem Laien seine Sünden, gemäß dem Wort des Apostels Jakobus „Bekennt einander eure Sünden“(Jak5, 16)