Sterbeläuten und Totenklage

Das Ereignis des Todes, des Versehganges und des Leichenbegängnisses sowie die Memorientage wurden durch das Läuten der Kirchenglocken vermeldet. In erster Linie ging es um Dämonenabwehr aber es war auch Gebetsaufforderung, Totenehrung, Seelengeleit, die öffentlich gemachte Sterbenachricht. Das Sterbegeläut musste sich signifikant von anderem Glockengeläut unterscheiden, um es sofort allgemein erkennbar zu machen, was durch Einlegen bestimmter Pausen erreicht wurde.An der Art des Läutens konnte man Geschlecht, Alter und wirtschaftliche und soziale Selbsteinschätzung des Verstorbenen erkennen.

 Es musste jedes Geläut, genauso wie eine Reihe von anderen kirchlichen Leistungen im Zusammenhang mit Tod und Trauer, bezahlt werden.

Die laute Totenklage begleitet von Gebärden des Schmerzes, wurde vor allem der Frau zugeteilt. Es war Sitte das Klageweiber, die durch ihr ritualisiertes Geschrei die vom Tod eines Angehörigen oder Freundes tatsächlich Betroffenen zu „aufrichtigen Schmerzensrufen“ motivieren sollten. Stille Trauer war nicht üblich, weinen und jammern galt als Ehre für den Verstorbenen..

Für die Gebete am Grab und für den Besuch von Gedächtnisfeiern werden in manchen Gebieten „Seelenschwestern“ (Seelenfrauen, -nonnen, -weiber) herangezogen. Diese unvermögenden und unverheirateten Frauen, die gemeinsam in Seelenhäusern leben, haben die Aufgabe, für die Verschiedenen zu beten. Eine diesbezügliche Ordnung des 15. Jh. verbietet unter anderem die Heranziehung von mehr als zwei Seelenschwestern und es wird nur gestattet, dass sie vom Begräbnispunkt bis zum siebenten Tag danach am Grab sitzen und es nicht bis zum dreißigsten ausdehnen.