Vado-Mori

Zur Entwicklung des Totentanzes haben die seid dem 13. Jahrhundert bekannten Vado- Mori- Gedichte wesentlich beigetragen. Darin beklagen männliche Vertreter der verschiedenen Stände ihren Tod, ihre Klage beginnt mit den Worten: „Vado Mori- ich werde sterben.

Die Kombination von Text und Bild kam aber erst später. Sicher ist, dass den Totentanzbildern und- sprüchen die altorientalische Legende(1285) von der „Begegnung der drei Lebenden mit den drei Toten“ zu Grunde liegt. Durch diese Verbindung bekam so nun der personifizierte Tod die Möglichkeit, sich zu artikulieren und nicht wie bisher nur die Sterbenden; auch bereits existierende Dialoge wurden durch Bilder erweitert (Lübecker Totentanz) bis heute gibt es Totentänze in vielerlei Art, in der Literatur, Musik und Kunst.

Einige Strophen vom Anfang der lateinischen Handschrift Mazarine 980 aus der Pariser Bibliotheque nationale in freier Übersetzung:

VADO MORI. Der Tod ist sicher, nichts ist sicherer als jener; die Stunde ist ungewiss und, wie lange es noch dauert. VADO MORI

VADO MORI. Anderen folgend und nach mir die nächsten, ich werde weder der erste noch der letzte sein. VADO MORI

VADO MORI. Ich bin der König. Was ist die Ehre, was ist der Ruhm der Welt? VADO MORI

VADO MORI. Ich bin der Papst, dem der Tod nicht länger gestattet, Papst zu sein, sondern auffordert, sein Leben zu beenden. VADO MORI

VADO MORI. Ich bin der Ritter. Ich hab im Kampf und Wettstreit gesiegt, den Tod kann ich nicht bezwingen. VADO MORI

 

Wo die Vado-Mori-Gedichte ihren Ursprung haben ist immer noch unklar. Manche Autoren meinen Frankreich andere Österreich oder Italien. Im Unterschied zu den spätmittelalterlichen Totentänzen ist das Vado-Mori immer monologisch. In den hochmittelalterlichen Gedichten tritt ein Toter oder die Personifikation  des Todes nie auf. Hier ist auch nur vom Gehen der sprechenden Personen die Rede, sie tanzen nicht.

„Klassische“ Totentanzszenen können diese Gedichte jedoch begleiten, wie zum Beispiel in der ersten Buchausgabe des Danse Macabre von Guyot Marchant. Die lateinischen Texte über dem Holzschnitt Papst und Kaiser sind um einiges älter als die Bildunterschriften. Sie zeigen wie leicht es ist, aus den Monologen ein Zwiegespräch zwischen dem Tod und den Sterbenden zu machen.

Die Vado-Mori Gedichte starben mit der Erfindung der Totentänze nicht aus. 1731 wurde ein Buch des aus Freiburg stammenden Juristen Anton Steinhauer veröffentlicht, das alle seine Vorgänger im Umfang übertraf und viele Auflagen erlebte. Sein Vado- Mori lässt Personen von über 200 Ständen zu Wort kommen. Zitiert werden zu Beispiel Personen aller akademischen Disziplinen, handwerklichen, militärischen Berufe oder Schüler verschiedenen Alters, auch gesellschaftliche Außenseiter. Die verschiedenen weiblichen Tätigkeitsfelder von A bis Z kommen bei Steinhauer auch vor.

1744 wurden die Verse ins Deutsche übersetzt von Johann Nikolaus Weislinger und durch die derbe Sprache den passenden Ausdruck verliehen.

Quellen:
Der Tanz in den Tod, Uli Wunderlich, Eulen Verlag 2001

 Der tanzende Tod, Gerd Kaiser, Frankfurt 1983